Vollbeschäftigung und stabile Preise gleichzeitig: ein Gleichgewicht, das sich entzieht.
PRÜFSTAND-Analyse · primärquellen-geprüft · Modell durchgerechnet
Weniger Arbeitslose, mehr Inflation — oder umgekehrt? Diese Wahl schien jahrzehntelang erledigt. Dann kamen 2021 die Preisschocks und holten sie zurück.
Die Phillipskurve beschreibt den kurzfristigen Trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. William Phillips beobachtete 1958 empirisch: Niedrige Arbeitslosigkeit geht mit hoher Lohn- und Preisinflation einher.
Friedman (1968) und Phelps verfeinerten das Modell: Es gibt eine „natürliche Rate" (NAIRU), unterhalb derer Inflationsdruck entsteht — langfristig gibt es keinen Trade-off.
Seit 2010 flachte die Kurve in Europa ab: Selbst bei historisch niedrigen Arbeitslosenquoten blieb die Inflation moderat. Der alte Mechanismus schien gebrochen.
Die Corona- und Energiepreisschocks 2021–2023 reaktivierten die Kurve — die Inflation kam mit Wucht zurück, und der Trade-off war plötzlich wieder sichtbar.
Politisch gelesen: Parteien mit mehr Fiskalpolitik stimulieren Beschäftigung (niedrigere Arbeitslosigkeit), gehen aber ein höheres Inflationsrisiko ein; Konsolidierungsparteien akzeptieren mehr Arbeitslosigkeit für Preisstabilität.
Ehrlicher Hinweis: Keine Partei nennt eine „Ziel-Arbeitslosenquote". Die u-Werte unten sind modellierte Platzierungen, die die qualitative Ausrichtung (Beschäftigung vs. Preisstabilität) auf der Kurve verorten — keine belegbaren Programmzahlen.
Ziehen Sie das Modell: Der Trade-off ist kurzfristig real und verschwindet langfristig — wo eine Partei sitzt, ist eine Entscheidung darüber, welches Risiko sie eingeht.
01
Theoretische Linse
Das erweiterte Phillipskurven-Modell: π = π_e + α·(u* − u). Kalibriert für Deutschland: Erwartungsinflation π_e ≈ 2,1 % (verankerte Langfrist-Erwartung; 5y5y-Inflationsswap ~2,1 %, EZB-Ziel 2 %, Stand 2025), Phillips-Steigung α = 0,45 (ifo/Bundesbank-Schätzung), NAIRU u* = 4,5 % (SVR 2024). Bei u = NAIRU: keine Inflationsabweichung von π_e. Unterhalb NAIRU: Inflation steigt. Oberhalb: Deflationsdruck. Der Slider zeigt die angestrebte Arbeitslosenquote; die Kurve die Inflationskonsequenz.
Parameter stilisiert, nicht empirisch kalibriert·q* = 4.5, p* = 2.1
Warum dieser Markt? Transmissionskanal: Niedrige Arbeitslosigkeit → angespannter Arbeitsmarkt → Lohnforderungen steigen → Unternehmen erhöhen Preise → Inflation steigt. Gegenläufig (Wage-Price-Spiral): Inflation → höhere Lohnforderungen → mehr Inflation. Bruchpunkt: EZB-Geldpolitik kann durch Zinserhöhungen die Nachfrage dämpfen und u erhöhen. Langfristig ist die Kurve senkrecht bei u = NAIRU — jeder Versuch, dauerhaft unter der natürlichen Rate zu operieren, erzeugt akkumulierende Inflation (Friedman 1968: "Beschleunigungshypothese").
04
Parteipositionen
Stand: BTW 2025keine substanzielle Bewegung seither · sinngemäß paraphrasiert, keine wörtlichen Zitate — Klick aktiviert das Modell
Linke
3%
EZB-Mandat um Vollbeschäftigung erweitern; großes Investitionsprogramm (Linke beziffert…
BTW 2025
SPD
4%
Vollbeschäftigung als oberstes Ziel; Kurzarbeit stärken; Deutschlandfonds sichert Arbei…
BTW 2025
BSW
4%
Reindustrialisierung und Investitionsprogramme zur Arbeitsplatzsicherung. Anm.: u = 4,0…
BTW 2025
Grüne
4.5%
Beschäftigung durch Transformation; Grüne Jobs; Preisniveaustabilität als EZB-Aufgabe. …
BTW 2025
CDU/CSU
5%
Strukturreformen und Bürokratieabbau statt Nachfragestimulus; Inflation bekämpfen. Anm.…
BTW 2025
AfD
5%
Freier Markt; keine staatliche Vollbeschäftigungspolitik; Inflation als Hauptgefahr. An…
Bei Ziel-Arbeitslosenquote = 3 % ergibt das Modell „Phillipskurve": Inflation π = 2.8. Überbeschäftigung (u < NAIRU) → Inflationsdruck über Erwartungen.
Regime: Überbeschäftigung (u < NAIRU) → Inflationsdruck über Erwartungen
Modelle widersprechen sich bei diesem Wert: Phillipskurve: 2.8 · Flache Phillipskurve: 2.4. Dieses Auseinanderfallen ist kein Fehler — es macht sichtbar, dass das Ergebnis von den Modellannahmen abhängt.
07
Modellannahmen
▶Technische Modellannahmen (Phillipskurve)
Erweitertes Modell: π = π_e + α·(u* − u). Kalibriert auf deutsche Verhältnisse: π_e ≈ 2,1 %, α = 0,45, NAIRU u* = 4,5 %. Short-run Kurve; langfristig ist Inflation unabhängig von Arbeitslosigkeit. Kein Unterschied zwischen angebots- und nachfrageseitiger Inflationsursache.