Seit dem 1. Januar 2026 können Menschen jenseits der Regelaltersgrenze, die weiter sozialversicherungspflichtig arbeiten, bis zu 2.000 € pro Monat steuerfrei dazuverdienen — zusätzlich zur Rente. Das soll Ältere im Job halten. Die entscheidende Frage ist aber nicht, wer profitiert, sondern wie viele dafür etwas tun, was sie nicht ohnehin getan hätten.
| Kennzahl | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Steuerfreier Hinzuverdienst | bis 2.000 € / Monat | zusätzlich zur Altersrente |
| Voraussetzung | ab Regelaltersgrenze | sozialversicherungspflichtig beschäftigt |
| Kosten | ≈ 0,8–1,0 Mrd. € / Jahr | Steuermindereinnahmen (DIW ~800 Mio, Entwurf ~890 Mio) |
| Sozialabgaben | bleiben | KV-/PV-Beiträge weiter fällig |
| Rechtsnatur | Steuerbonus | keine Leistung der Rentenversicherung |
Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und abhängig beschäftigt weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 € im Monat steuerfrei verdienen. Beschlossen im Bundestag am 5. Dezember 2025. Wichtig: Es ist ein Steuerbonus, ausdrücklich keine Leistung der Rentenversicherung — und die Sozialabgaben (Kranken-/Pflegeversicherung) bleiben fällig.
Den Staat kostet das rund 0,8 bis 1,0 Mrd. € pro Jahr an Steuermindereinnahmen (DIW ~800 Mio., Entwurf ~890 Mio., Haushaltsvorsorge ~1 Mrd.).
Die zentrale ökonomische Frage lautet: Wie viele arbeiten wegen des Bonus, die es sonst nicht täten? Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet mit erheblichen Mitnahmeeffekten — viele der heute schon arbeitenden Rentner kassieren den Steuervorteil, ohne dass dadurch eine Stunde zusätzlicher Arbeit entsteht.
Modelliert ist das eine Frage der Arbeitsangebots-Elastizität Älterer: Ist sie niedrig (die meisten arbeiten aus anderen Gründen oder gar nicht), fließt der Großteil der ~890 Mio. € als Windfall an ohnehin Beschäftigte — die Kosten je zusätzlich gewonnener Arbeitskraft sind dann hoch. (Modell-Lesart; die tatsächliche Quote zeigt sich erst in den Daten.)
Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags sieht eine doppelte Ungleichbehandlung: nach Alter (begünstigt nur, wer jenseits der Regelaltersgrenze ist) und nach Tätigkeitsart (nur abhängig Beschäftigte — Selbständige und Beamte sind ausgeschlossen).
Steuerlich ist das heikel, weil es das Leistungsfähigkeitsprinzip berührt: Gleich hohe Einkommen werden unterschiedlich besteuert, je nach Alter und Erwerbsform. Zwei Rentner mit identischem Zuverdienst zahlen unterschiedlich viel Steuer — allein wegen der Vertragsform.
Die DGB-Kritik (Anja Piel) zielt auf die Wirkungslücke: Die Aktivrente adressiere die eigentlichen Hürden für längeres Arbeiten — Gesundheit, Arbeitsbedingungen, Beschäftigungschancen Älterer — nicht, koste aber Milliarden.
Und für das große Rentenproblem ist sie keine Antwort: Die Aktivrente ist ein Steuerinstrument, kein Beitrag zur Finanzierung der Umlage. Das demografische Defizit der gesetzlichen Rente bleibt davon unberührt — siehe die separate Analyse zur Rentenreform.
Ältere im Job zu halten ist ein sinnvolles Ziel. Durchgerechnet hängt der Erfolg aber an einer Zahl, die noch keiner kennt — dem Anteil echter Mehrarbeit:
Ob sich die ~890 Mio. €/Jahr lohnen, hängt allein daran, wie viel zusätzliche Arbeit sie auslösen — nicht daran, wie viele den Bonus kassieren. Genau diese Unterscheidung macht den Unterschied zwischen Anreiz und Geschenk.
Alle Zahlen sind mit Primärquelle belegt. Einzelne, ausdrücklich als „modelliert/illustrativ" gekennzeichnete Werte sind Rechen-Illustrationen, keine amtlichen Zahlen. Tatsachen und Modell-Lesarten sind getrennt ausgewiesen.