Die Zahl klingt nach Rückschlag: 2,9 Prozent Inflation im August, der höchste Wert seit Monaten. Doch der Blick ins Innere dreht die Geschichte. Nahrungsmittel stagnieren bei plus 0,1 Prozent, die Dienstleistungen liegen bei 2,8 und die Kernrate, also die Teuerung ohne die schwankungsanfälligen Posten Energie und Nahrung, bei 2,4 Prozent. Der ganze Sprung kommt aus einer einzigen Ecke: Energie, plus 10,5 Prozent. Das ist keine überhitzte Wirtschaft, in der Löhne und Preise sich gegenseitig hochschaukeln, sondern ein Energiepreis-Effekt. Und der hat drei Quellen, die man auseinanderhalten muss: einen Ölpreisschock, der seit Ende Februar aus dem Nahen Osten kommt; einen Tankrabatt, der die Kraftstoffpreise im Mai und Juni künstlich gedrückt hat und am 30. Juni ausgelaufen ist; und den planmäßig steigenden CO2-Preis, dessen Anteil klein, aber dauerhaft ist. Genau hier wird es wirtschaftspolitisch interessant. Ein CO2-Preis soll Energie teurer machen, das ist kein Fehler, sondern der Mechanismus. Die entscheidende Frage ist, wer die Last trägt und ob sie zurückgegeben wird. Die Antwort der Politik im Jahr 2026: Sie hat die fossile Last mit dem Tankrabatt zwei Monate lang subventioniert, proportional zum Verbrauch, und das Instrument gestrichen, das die Rückgabe pro Kopf und damit sozial gemacht hätte, das Klimageld.
| Größe | Wert | Anmerkung |
|---|---|---|
| Inflation August 2026 | +2,9 % | vorläufig; +0,2 % zum Vormonat; endgültig 10.9. |
| Energie | +10,5 % | April +10,1, Mai +6,6, Juni +3,4, Juli +8,3, August +10,5 |
| Nahrungsmittel | +0,1 % | praktisch stabil |
| Dienstleistungen | +2,8 % | der zähe Inlandsteil, rückläufig (Mai 3,1) |
| Kernrate | +2,4 % | ohne Energie und Nahrung, keine Überhitzung |
| Gewicht Energie im VPI | 7,4 % | 73,9 Promille; Nahrungsmittel 10,5 % |
| Kraftstoffe / Heizöl (Juli) | +23,0 % / +34,7 % | gegenüber Vorjahr; Haushaltsenergie insgesamt noch -1,4 % |
| Tankrabatt | rund 17 ct/l | 1.5. bis 30.6.2026; 14,04 ct netto; 1,6 Mrd. Euro |
| Nationaler CO2-Preis | 65 €/t | Korridor 55–65 für 2026 und 2027; erste Auktion am Deckel; ab 2028 EU-ETS 2 |
| Klimageld | gestrichen | Bundestag 20.3.2026 abgelehnt; nicht im Koalitionsvertrag |
| Stattdessen | bis zu ~150 €/Jahr | Netzentgeltzuschuss 6,5 Mrd. + Wegfall Gasspeicherumlage; keine Stromsteuersenkung für Haushalte |
| Prüfgröße | Kern + Ausgleich | Zweitrundeneffekte in den Kern; kommt eine Pro-Kopf-Rückgabe? |
Nach der vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamtes stieg die Inflationsrate im August 2026 auf 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, 0,2 Prozent mehr als im Vormonat; die endgültigen Zahlen kommen am 10. September. Zerlegt man den Wert, zeigt sich, wie schief die Schlagzeile „Inflation steigt wieder" ist. Nahrungsmittel liegen bei plus 0,1 Prozent, also faktisch stabil. Die Dienstleistungen, der von den Löhnen getriebene Inlandsteil, steigen um 2,8 Prozent und damit langsamer als noch im Mai (3,1 Prozent). Die Kernrate ohne Energie und Nahrung beträgt 2,4 Prozent, seit Monaten unverändert und nahe am Zwei-Prozent-Ziel. Der Ausreißer ist die Energie mit plus 10,5 Prozent.
Energie wiegt im Verbraucherpreisindex 73,9 Promille, also rund 7,4 Prozent des Warenkorbs. Ein zweistelliger Energieanstieg hebt die Gesamtrate damit um etwa 0,8 Prozentpunkte, während die zugrunde liegende Teuerung ruhig bleibt. Die 2,9 Prozent sind also fast vollständig ein Energiepreis-Phänomen, keine Verbreiterung der Inflation über alle Güter. Wichtig ist dabei der Pfad, und er ist kein Beschleunigungspfad, sondern ein V: Energie lag im April bereits 10,1 Prozent über Vorjahr, fiel im Mai auf 6,6 und im Juni auf 3,4 Prozent zurück und sprang dann auf 8,3 und 10,5 Prozent. Wer nur die letzten drei Monate zeigt, sieht eine Eskalation. Wer die fünf Monate zeigt, sieht eine Delle im Mai und Juni. Die Delle hat einen Namen: Tankrabatt.
Der Energiepfad hat außerdem einen strukturellen Hintergrund, den man kennen muss. Auf fossile Brenn- und Kraftstoffe erhebt Deutschland einen nationalen CO2-Preis (nationales Emissionshandelssystem nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz). Nach fünf Jahren Festpreis, zuletzt 55 Euro je Tonne, wird der Preis 2026 erstmals versteigert, in einem gesetzlichen Korridor von 55 bis 65 Euro. Die erste Auktion an der EEX am 1. Juli 2026 endete am Höchstpreis von 65 Euro; Gebote über knapp 292 Millionen Zertifikate trafen auf eine zugeteilte Menge von rund 21,3 Millionen, die Erlöse von knapp 1,4 Milliarden Euro fließen in den Klima- und Transformationsfonds. Für 2027 hätte das Gesetz eine Kopplung an den deutlich höheren Preis des europäischen Industrie-Emissionshandels vorgesehen; die Koalition hat am 12. Mai 2026 beschlossen, den Korridor auf 2027 zu verlängern, das Kabinett hat den Entwurf des Dritten BEHG-Änderungsgesetzes am 12. August 2026 beschlossen. Ab 2028 löst der europäische Emissionshandel ETS 2 das nationale System ab (Start um ein Jahr verschoben durch Verordnung (EU) 2026/667 vom 11. März 2026); dort bildet sich der Preis frei am Markt, ohne Deckel.
Warum überhaupt Energie und Nahrung aus der Kernrate herausrechnen? Weil ihre Preise stark schwanken und oft von außen kommen, von Weltmärkten, Wetter, Geopolitik. Die Kernrate zeigt deshalb besser, ob die Inflation sich im Inland festsetzt. Dass sie bei 2,4 Prozent liegt und die Dienstleistungen sinken, sagt: Es gibt keine sich selbst verstärkende Lohn-Preis-Spirale. Der Kopfschmerz kommt von der Energie, und er besteht aus drei Teilen, die Ehrlichkeit verlangt zu trennen.
Der erste Teil ist der Ölpreis. Seit dem 28. Februar 2026 sind die Kraftstoffpreise infolge des Kriegs im Iran und der Blockade der Straße von Hormus sprunghaft gestiegen; schon im März lagen Kraftstoffe an deutschen Tankstellen 20 Prozent und leichtes Heizöl 44 Prozent über Vorjahr. Nach einer Beruhigung im Frühsommer zog der Markt mit der erneuten Eskalation im Juli wieder an: Brent stieg von rund 70 US-Dollar Anfang Juli binnen weniger Wochen auf über 90, zeitweise über 100 US-Dollar je Barrel. Das Statistische Bundesamt beziffert die Folgen im Juli: Kraftstoffe plus 23,0 Prozent gegenüber Vorjahr, leichtes Heizöl plus 34,7 Prozent, auf Erzeugerstufe Mineralölerzeugnisse plus 31,4 Prozent. Bemerkenswert ist die Kehrseite: Haushaltsenergie insgesamt, also Strom, Gas, Fernwärme und Heizöl zusammen, lag im Juli noch 1,4 Prozent unter Vorjahr, weil Strom und Gas günstiger waren. Der Energieanstieg ist damit ein Ölanstieg, kein breiter Basiseffekt. Die verbreitete Lesart, Energie sei vor einem Jahr nur ungewöhnlich billig gewesen und der Vorjahresvergleich täusche, hält den Daten nicht stand.
Der zweite Teil ist hausgemacht: der Tankrabatt. Als Reaktion auf den Ölschock beschloss der Bundestag am 24. April 2026 das Zweite Energiesteuersenkungsgesetz, der Bundesrat billigte es am selben Tag in einer Sondersitzung. Vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 wurde die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter gesenkt, mit Umsatzsteuer rund 17 Cent, zu Mindereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro. Statistisch wirkt das zweimal: Im Mai und Juni drückt der Rabatt die Kraftstoffpreise und damit die Energierate nach unten, im Juli fällt er weg. Genau das zeigt die Destatis-Zerlegung für den Juli: Kraftstoffe plus 11,2 Prozent binnen Monatsfrist (Diesel plus 12,6, Super plus 11,0), Energie insgesamt plus 5,0 Prozent zum Vormonat. Der Sprung von 3,4 auf 8,3 Prozent ist also zu einem guten Teil nicht neue Teuerung, sondern das Ende einer Subvention. Wer im Juni „Entspannung" gelesen hat, hat den Rabatt gelesen, nicht den Markt.
Der dritte Teil ist strukturell und gewollt: der CO2-Preis. Der Schritt vom Festpreis 55 Euro auf den Auktionspreis 65 Euro entspricht 10 Euro je Tonne. Das sind, überschlägig gerechnet, gut 3 Cent je Liter Diesel oder Heizöl, knapp 3 Cent je Liter Benzin und rund 0,2 Cent je Kilowattstunde Erdgas, jeweils inklusive Umsatzsteuer. Gegen 17 Cent Tankrabatt und gegen einen ölgetriebenen Kraftstoffanstieg von über 20 Prozent ist das eine Fußnote. Entscheidend ist aber: Anders als der Ölpreis und der Rabatt verschwindet der CO2-Preis nicht im nächsten Jahr, sondern bleibt und wächst, spätestens mit dem Übergang zum EU-Emissionshandel ab 2028. Dieser Teil der Energie-Inflation ist kein Marktunfall, sondern das beabsichtigte Ergebnis von Klimapolitik. Ihn zu bekämpfen hieße, die Klimapolitik zu bekämpfen; die relevante Frage ist deshalb nicht, wie man ihn verhindert, sondern wer ihn trägt.
Ökonomisch ist der CO2-Preis eine Pigou-Steuer, benannt nach Arthur Cecil Pigou: ein Preis auf eine schädliche Nebenwirkung, hier den CO2-Ausstoß, der die verursachten Klimakosten in den Marktpreis holt. Dass Energie dadurch teurer wird, ist genau der Sinn der Sache; der höhere Preis soll das Verhalten lenken, hin zu Sparen, Dämmen, Umstieg. Als Instrument gilt der CO2-Preis unter Ökonomen fast einhellig als der effizienteste Weg, Emissionen zu senken, weil er die Vermeidung dort auslöst, wo sie am billigsten ist. Ein Tankrabatt ist die exakte Umkehrung: eine negative Pigou-Steuer, die das Verhalten in die falsche Richtung lenkt. Die Gesetzesbegründung räumt das ein, sie spricht von einer vorübergehenden Begünstigung fossiler Energie.
Die Kehrseite der Bepreisung ist die Verteilungswirkung, und sie ist das eigentliche Thema. Eine Steuer auf Energie ist regressiv: Ärmere Haushalte geben einen deutlich größeren Anteil ihres Einkommens für Heizen und Mobilität aus als reiche, ein alter Befund der Haushaltsökonomik über Budgetanteile, die mit dem Einkommen sinken. Derselbe CO2-Preis kostet den kleinen Haushalt also relativ mehr. Studien für Deutschland, etwa von DIW und RWI, bestätigen diese regressive Erstwirkung regelmäßig. Für den Rabatt gilt dasselbe spiegelbildlich: Ein Nachlass je Liter kommt in Euro dem zugute, der viele Liter verbraucht, also dem Vielfahrer, dem großen Wagen, dem Dienstwagen, nicht dem, der auf Bus und Bahn angewiesen ist.
Aus dem Modell folgt aber auch die Lösung, und sie ist elegant: Man gibt die Einnahmen als gleiche Pro-Kopf-Pauschale zurück. Weil ein einkommensschwacher Haushalt typischerweise weniger CO2 verursacht als der Durchschnitt, bekommt er über eine solche Pauschale mehr zurück, als der CO2-Preis ihn kostet. Die Bepreisung bleibt als Lenkungsanreiz voll erhalten, die Verteilungswirkung dreht sich vom Regressiven ins Progressive. Österreich praktiziert das seit 2022 mit dem Klimabonus. Perfekt ist auch die Pauschale nicht: Haushalte mit mittlerem Einkommen, auf dem Land, im schlecht gedämmten Eigenheim mit Ölheizung können trotz Rückgabe draufzahlen, weshalb über sozial gestaffelte Varianten diskutiert wird. Aber als Grundmechanismus ist sie das treffsicherste Werkzeug, das die Ökonomie für dieses Problem hat. Genau das ist die Idee des Klimageldes, und genau deshalb ist seine Streichung nicht ein Detail, sondern der Kern der sozialen Frage.
Die Belastungsseite der Klimapolitik ist in Kraft und steigt: Der CO2-Preis verteuert Sprit und Heizen heute mit 65 Euro je Tonne und stärker ab 2028. Auf der Entlastungsseite hat die Politik 2026 drei Entscheidungen getroffen, und alle drei haben dieselbe Bauart.
Erstens der Tankrabatt: 1,6 Milliarden Euro für zwei Monate, rund 17 Cent je Liter für jeden, unabhängig vom Einkommen, proportional zur getankten Menge. Zweitens die Strompreis-Entlastung: Der Bund bezuschusst 2026 die Übertragungsnetzentgelte mit 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (Gesetz seit 12. Dezember 2025 in Kraft), das Kabinett hat für 2027 bis 2029 jährlich 5,525 Milliarden Euro beschlossen; dazu entfällt die Gasspeicherumlage. Ein Musterhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden spart nach Angaben der Bundesregierung etwa 100 Euro im Jahr, mit dem Wegfall der Gasspeicherumlage bis zu 150 Euro. Die im Koalitionsvertrag versprochene Stromsteuersenkung „für alle" kam dagegen nicht: Sie gilt ab 2026 dauerhaft nur für rund 600.000 produzierende Unternehmen sowie Land- und Forstwirtschaft; für die Haushalte wären 5,4 Milliarden Euro nötig gewesen, der Koalitionsausschuss hat das im Juli 2025 vertagt. Drittens das Klimageld: Der Bundestag lehnte am 20. März 2026 den Antrag der Linksfraktion auf ein Klimageld von 320 Euro je Person, rückwirkend ab 2025, mit den Stimmen von CDU/CSU, AfD und SPD ab; Grüne und Linke stimmten dafür. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD kommt der Begriff nicht vor; dort heißt es, die CO2-Einnahmen würden über eine spürbare Entlastung beim Strompreis zurückgegeben. Am Auszahlungsweg liegt es nicht mehr: Die Verknüpfung von Steuer-ID und IBAN beim Bundeszentralamt für Steuern läuft seit November 2024, rund 13,9 Millionen Kontoverbindungen liegen über die Familienkasse bereits vor. Was fehlt, ist der politische Beschluss und die gesetzliche Grundlage für die Auszahlung.
Die Bauart ist in allen drei Fällen dieselbe: Entlastung proportional zum Verbrauch, nicht pro Kopf. Beim Tankrabatt heißt das in Euro: mehr für den, der mehr fährt. Beim Netzentgeltzuschuss: mehr für den, der mehr Strom verbraucht, also für den größeren, tendenziell wohlhabenderen Haushalt. Fairerweise muss man hinzufügen, dass die Strompreis-Entlastung relativ zum Einkommen eher progressiv wirkt, weil auch der Stromanteil am Budget mit dem Einkommen sinkt. Aber sie trifft nur zufällig den, den der CO2-Preis am härtesten trifft: den kleinen Haushalt im schlecht gedämmten Altbau mit Ölheizung und Pendlerauto. Der spart beim Strom ein paar Dutzend Euro und zahlt beim Heizöl und an der Zapfsäule das Vielfache.
Die Gegenhypothese verdient es, in ihrer stärksten Form genannt zu werden, und sie ist stärker, als die Klimageld-Befürworter meist zugeben. Erstens hat der Strompfad eine eigene Lenkungslogik: Er verbilligt den kohlenstoffarmen Energieträger relativ zu Öl und Gas und verstärkt damit den Anreiz zum Umstieg auf Wärmepumpe und Elektroauto; das ist keine Subvention am falschen Posten, sondern Sektorkopplung über den Preis. Zweitens ist der Netzentgeltzuschuss keine allgemeine Haushaltssubvention, sondern wird aus dem Klima- und Transformationsfonds bezahlt, in den auch die CO2-Erlöse fließen; die Regierung gibt die Einnahmen also zurück, nur nicht pro Kopf. Drittens senkt der Wegfall der Gasspeicherumlage die Gasrechnung, also exakt den Posten, den der CO2-Preis verteuert. Und der Tankrabatt wurde nie als Klimapolitik verteidigt, sondern als Schockabsorber gegen eine kriegsbedingte Preisspitze. Das alles ist richtig. Es ändert nur nichts am Befund: Der Staat nimmt über den CO2-Preis regressiv ein und gibt verbrauchsproportional zurück, teils sogar fossil. Die treffsichere Rückgabe, die Pauschale, ist die einzige Form, die er nicht gewählt hat.
Die naheliegende, aber falsche Reaktion auf die Energie-Inflation wäre, den CO2-Preis zu bremsen. Das würde die Klimapolitik entkernen und den effizientesten Hebel opfern, um ein Verteilungsproblem zu lösen, das eine Pauschale sauberer löst. Die Verlängerung des Korridors auf 2027 ist bereits eine solche Bremse: Nach altem Recht wäre der nationale Preis 2027 an den europäischen Industrie-Emissionshandel gekoppelt worden, die Wohnungswirtschaft hielt 75 bis 85 Euro für möglich. Ebenso falsch wäre ein dritter Tankrabatt: Er kostet rund 0,8 Milliarden Euro im Monat, subventioniert genau das, was der CO2-Preis verteuern soll, und produziert beim Auslaufen den nächsten statistischen Inflationssprung. Und falsch wäre die geldpolitische Panik: Eine energiegetriebene Rate auf ruhigem Kern ist ein Angebotseffekt, dem die Notenbank nicht mit höheren Zinsen hinterherjagen sollte, solange keine Zweitrundeneffekte in Löhnen und Kernrate sichtbar werden. Die EZB entscheidet ohnehin über den Euroraum-HVPI, nicht über die deutsche Rate.
Die redliche Zuspitzung ist deshalb nicht CO2-Preis gegen soziale Härte, sondern Kalibrierung: derselbe CO2-Preis, aber mit der Pro-Kopf-Rückgabe, die ihn progressiv macht, statt eines Tankrabatts und einer verbrauchsproportionalen Strompreis-Subvention. Die Politik hat den sichtbaren, aber untreffsicheren Rabatt der treffsicheren, aber unsichtbaren Pauschale vorgezogen. Wer diesen Weg verteidigt, muss erklären, wie der schlecht gedämmte Mieter auf dem Land mit hoher Heizrechnung entlastet wird. Wer das Klimageld zurückfordert, muss sagen, woher die Mittel kommen sollen, wenn die CO2-Erlöse bereits für Netzentgelte und Förderprogramme verplant sind, und ob die Pauschale den Strompfad ersetzen oder ergänzen soll. Zur Größenordnung: Allein die Versteigerungsmenge 2026 von rund 192 Millionen Zertifikaten bringt zu 65 Euro etwa 12,5 Milliarden Euro; auf 84 Millionen Menschen verteilt wären das rund 150 Euro je Kopf und Jahr, also für eine vierköpfige Familie etwa das Vierfache dessen, was die Strompreis-Entlastung je Haushalt verspricht. Das ist ein Überschlag, keine amtliche Zahl, aber er zeigt, worum es geht.
Die 2,9 Prozent sind kein Comeback der Inflation über die ganze Breite, sondern ein Energiepreis-Effekt auf ruhigem Kern: ein Ölschock aus dem Nahen Osten, verstärkt durch das Ende einer zweimonatigen Kraftstoffsubvention, dazu der kleine, aber dauerhafte CO2-Preis. Das Instrument ist richtig und effizient; das Problem ist nicht die Bepreisung, sondern dass ihr sozialer Ausgleich, das Klimageld, gestrichen und durch verbrauchsproportionale Entlastungen ersetzt wurde, von denen eine, der Tankrabatt, die Lenkungswirkung sogar umkehrt. Die Last läuft, die Rückgabe läuft auch, nur an der falschen Achse: nach Verbrauch statt pro Kopf.
Die belastbare Prüfgröße ist deshalb nicht die Schlagzeilenrate, sondern erstens der Kern: Sickert die Energie-Teuerung über Löhne und Dienstleistungen in die Kernrate durch, entstehen also Zweitrundeneffekte, oder bleibt sie ein isolierter Energieposten, der mit dem Ölpreis wieder abklingt? Zweitens der Ölpreis selbst, die einzige Größe, die die Rate kurzfristig bewegt. Drittens der CO2-Preis-Pfad: Wie stark springt er mit dem Wechsel zum EU-Emissionshandel ab 2028, wenn der Korridor wegfällt? Viertens der Ausgleich: Kehrt eine echte Pro-Kopf-Rückgabe zurück, oder bleibt es beim Nebeneinander von Tankrabatt und Strompreis-Subvention? Und fünftens die eigentliche soziale Messgröße, das real verfügbare Einkommen der unteren Haushalte und die Zahl der von Energiearmut betroffenen Haushalte. An diesen Größen entscheidet sich, ob aus einer vernünftigen Klimapolitik eine sozial tragfähige wird.
Die Fakten sind belegt (Destatis, vorläufig 31.8.2026, endgültig 10.9.): Inflation August +2,9 %, fast nur Energie (+10,5 %; Pfad April +10,1, Mai +6,6, Juni +3,4, Juli +8,3), Nahrung +0,1 %, Dienstleistungen +2,8 %, Kern +2,4 %. Hintergrund: Ölschock (Iran-Krieg seit Ende Februar 2026; Kraftstoffe im Juli +23,0 %, Heizöl +34,7 %), Auslaufen des Tankrabatts am 30.6. (14,04 ct/l netto, rund 17 ct brutto, 1,6 Mrd. Euro) und der nationale CO2-Preis (2026 Auktion am Deckel von 65 €/t, Korridor 55–65 auch 2027, ab 2028 EU-ETS 2). Drei Punkte, die die Schlagzeile „Inflation steigt wieder" präzisieren:
Unterm Strich: ein Energiepreis-Effekt auf ruhigem Kern, getrieben von Öl und Rabattende, dazu der kleinere, aber dauerhafte CO2-Preis. Das Instrument ist richtig; gestrichen wurde der treffsichere soziale Ausgleich (Klimageld), ersetzt durch verbrauchsproportionale Entlastungen, eine davon fossil. Messbar am Kern (Zweitrundeneffekte), am Ölpreis, am CO2-Preis-Sprung ab 2028 (EU-ETS 2), an der Rückkehr einer Pro-Kopf-Rückgabe und am real verfügbaren Einkommen der unteren Haushalte.
Modell: CO2-Preis als Pigou-Steuer (Pigou 1920), Internalisierung der Klima-Externalität, effizienteste Emissionsminderung, gewollte Verteuerung fossiler Energie; Tankrabatt als negative Pigou-Steuer mit umgekehrter Lenkungswirkung. Kehrseite: regressive Inzidenz (Energie-Budgetanteil sinkt mit dem Einkommen; DIW/RWI). Optimaler Ausgleich: gleiche Pro-Kopf-Rückerstattung (Klimageld), die unterdurchschnittliche Emittenten überkompensiert und die Bepreisung progressiv macht; gestrichen, ersetzt durch verbrauchsproportionale Entlastungen (Tankrabatt, Netzentgeltzuschuss, Gasspeicherumlage). Überschlag: 192 Mio. Zertifikate × 65 € ≈ 12,5 Mrd. €, pro Kopf rund 150 €/Jahr. Preiswirkung des CO2-Schritts 55→65 €/t: gut 3 ct/l Diesel und Heizöl, knapp 3 ct/l Benzin, rund 0,2 ct/kWh Gas (inkl. USt., eigene Rechnung über Emissionsfaktoren). Makro: Energie und Nahrung aus der Kernrate herausgerechnet (volatil); Kern 2,4 % und rückläufige Dienstleistungen = kein Zweitrundeneffekt, daher Angebotseffekt, dem die Geldpolitik nicht hinterherjagen sollte; EZB-Maßstab ist der Euroraum-HVPI. Testgröße: Kernpfad, Ölpreis, CO2-Preis ab EU-ETS 2 (2028), Rückkehr einer Pro-Kopf-Rückgabe, reales Einkommen unterer Dezile. Vgl. Theorie-Stück „Externe Effekte: Pigou, Coase" sowie die Berichte Leitzins, Emissionshandel und Stromsteuer. Modell-Einordnung, keine Prognose, getrennt von den oben belegten Zahlen.
Modell-Einordnung, keine Prognose — getrennt von den oben belegten Zahlen.
Alle Zahlen in diesem Bericht sind mit Primärquelle belegt (amtliche Angaben). Modell-Lesarten (ökonomische Einordnungen) sind als solche gekennzeichnet und von den Fakten getrennt.